Kinderzentren im Irak – Warum sind Alltagsroutinen so wichtig?

Ganz einfache Alltagsroutinen, das völlig Versunken-Sein in einem Spiel ohne Angst zu haben. Das sind Dinge, die für Kinder mit traumatischen Kriegserfahrungen sehr wichtig sind und Halt geben; Halt in einer Welt, die um sie herum zerbricht. Sie müssen wieder lernen zu vertrauen, sich auf Erwachsene zu verlassen, andere Kinder an sich heranzulassen. 

Für Kinder ist Normalität und eine vertraute Umgebung essentiell. Vor allem die Familie spielt für sie eine zentrale Rolle und gibt Sicherheit, denn dort gibt es feste Strukturen wie gemeinsames Essen, gemeinsames Kochen, Spülen usw. Ein weiterer Grund, warum Routinen für Kinder mit traumatischen Erlebnissen heilend sein können, liegt darin, dass sie dabei nicht gezwungen sind, über ihre Erlebnisse nachzudenken und darüber zu reden. Zwang führt häufig zu Gegenteiligem, doch wenn sie sich in einem sicheren Umfeld befinden, mit vertrauten Abläufen und vertrauten Personen, fällt es Kindern leichter, über ihre Gefühle zu reden und sich Personen anzuvertrauen, die ihnen Nahe stehen. 

In den Kinderzentren im Irak, die von Mission East unterstützt werden, wird den Kindern nicht nur eine sichere Umgebung gegeben. Gezielt arbeiten Psycholog*innen und Pädagog*innen gemeinsam mit den Kindern daran, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Für viele Kinder sind Formen physischer und psychischer Gewalt zum Alltag geworden. Kinder mit diesen Erfahrungen sind häufiger dazu geneigt, ebenfalls Gewalt anzuwenden. Deswegen gilt es, diesen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Sie lernen, dass sie geliebt werden, dass sie wertvoll sind und dass sie über ihre Erlebnisse reden können und ihnen zugehört wird. Die Kinderzentren sind Orte, an denen sich die Kinder entspannen können. Hier wird gebastelt, gelernt, gespielt, getanzt, getobt, gelacht und manchmal auch geweint.

Für viele Eltern ist es eine Erleichterung, dass ihre Kinder in die Kinderzentren gehen, Freundschaften schließen und wieder Kind sein können. Während der Besatzung des IS haben viele Kinder monatelang das Haus nicht verlassen, konnten ihre Freunde nicht sehen und nicht zur Schule gehen.

Die Kinder gehen gerne ins Kinderzentrum und sind froh, dass es einen Ort gibt, an dem sie ihre Freunde sehen und die schrecklichen Erlebnisse des Krieges hinter sich lassen können. 

Mission East unterstützt Kinderzentren im Irak, die mittlerweile von ca. 4.000 Kindern besucht werden.